Rezension | The Box in the Woods. Schau nicht hinein | Maureen Johnson
KLAPPENTEXT
Stevie Bell liebt einen guten Mord. Als engagierte Hobbydetektivin kann sie nicht widerstehen, als sie an den Schauplatz eines legendären Verbrechens gerufen wird. Im Sommercamp Sunny Pines wurden in den Siebzigerjahren vier Jugendliche tot in einer Jagdbox aufgefunden, und der Fall ist bis heute ungeklärt. Der Betreiber des Camps lädt Stevie und ihre Freunde für den Sommer ein, um den Fall zu lösen und einen True-Crime-Podcast aufzunehmen. Aber irgendetwas lauert immer noch im Schatten der Bäume, und als Stevie die Tür zur Vergangenheit öffnet, stellt sich heraus, dass in der Box im Wald noch Platz für weitere Opfer ist…
MEINUNG
»The Box in the Woods« war seit langem mal wieder ein Einzelband und kein Reihenauftakt einer neuen Serie oder der Abschluss. Die Geschichte startet und endet hier und das war irgendwie echt mal wieder eine schöne Abwechslung. Aber das hat auch einen Grund: Wir haben hier das Spin-Off zur »Truly Devious« Reihe der Autorin. Für mich -die die Hauptreihe nicht gelesen hat bisher- funktioniert der Einzelband aber ziemlich gut, auch ohne Vorinfos.
Stellt euch mal folgende Frage:
Was passiert, wenn man eine Gruppe Teenager in ein abgelegenes Sommercamp steckt, einen ungelösten Mord aus den 1970ern aus dem Hut zaubert und Stevie Bell dazu nimmt? Richtig: Niemand bekommt besonders viel Schlaf, die Leichen im Keller werden plötzlich ziemlich wörtlich genommen und ein Cold Case, der seit Jahrzehnten vor sich hin dümpelt und niemand sich die Mühe macht, ihn wieder aufzurollen, wird auf einmal wieder verdächtig interessant.
Stevie Bell, sollte man aus der Hauptreihe kennen. Sie findet ungelöste Kriminalfälle ungefähr so unwiderstehlich wie andere Menschen Schokolade. Als sie die Chance bekommt, einen alten Mordfall in besagtem Sommercamp zu untersuchen, sagt sie selbstverständlich zu. Denn warum einen normalen Sommer verbringen, wenn man stattdessen einen jahrzehntealten Dreifachmord aufklären kann?
Der Cold-Case-Trope wird dabei richtig schön ausgespielt. Der Fall liegt schon Jahrzehnte zurück, die Spuren sind kalt, Erinnerungen lückenhaft und die damaligen Ermittlungen haben mehr offene Fragen hinterlassen als Antworten geliefert. Stevie arbeitet sich Stück für Stück durch alte Aussagen, widersprüchliche Erinnerungen und neue Hinweise. Besonders spannend ist, dass sich mit jeder neuen Information das Bild der Vergangenheit verändert. Man hat also ständig dieses herrliche WTF-Gefühl. Und genau das macht den Fall so unterhaltsam: Man versucht gemeinsam mit Stevie herauszufinden, was damals wirklich passiert ist und darf dabei natürlich auch selbst fleißig verdächtigen.
Dazu kommen Tropes wie High-Stakes-Trope aka je näher Stevie der Wahrheit kommt, desto deutlicher wird, dass manche Menschen ausgesprochen wenig Interesse daran haben, dass diese Wahrheit ans Licht kommt oder auch Strong FMC. Wobei Stevie nicht deshalb stark ist, weil sie plötzlich zur unbesiegbaren Superdetektivin mutiert. Ihre Stärke liegt vielmehr in ihrer unglaublichen Hartnäckigkeit, ihrem messerscharfen Verstand und darin, dass sie sich nicht so leicht von anderen einschüchtern lässt. Gleichzeitig bleibt sie verletzlich, unsicher und manchmal wunderbar überfordert. Eben einfach menschlich.
Meiner Meinung nach ist der Humor eine der großen Stärken des Buches. Maureen Johnson schafft es, Spannung und Leichtigkeit miteinander zu verbinden, ohne dass die düsteren Momente dadurch ihre Wirkung verlieren. Stevie kann gerade noch über einen völlig absurden Gedanken stolpern und im nächsten Moment stehen wir mitten in einer Situation, bei der man sich fragt, warum diese Jugendlichen eigentlich immer noch freiwillig irgendwo herumlaufen.
Das Setting im Sommercamp passt dabei perfekt zur Geschichte: abgeschieden, ein bisschen unheimlich und mit genau der richtigen Menge an „Warum sollte man hier freiwillig Urlaub machen?“-Energie. Die Atmosphäre ist gleichzeitig sommerlich und creepy, einfach eine gute Mischung. Ein bisschen Ferienlager und ein bisschen True Crime.
FAZIT
Für mich ist das Buch eine spannende, humorvolle und wunderbar schräge Mischung aus Mystery, Coming-of-Age und klassischem Cold Case. Ich hatte endlich mal wieder ein "Nur noch ein Kapitel"Gefühl und das hat mich echt gefreut.
Titel: The Box in the Woods
Autor*in: Maureen Johnson
Herausgeber: Dragonfly
Seiten: 400
Preis: 16,00€
4,5 von 5 Sterne
Danke für das Rezensionsexemplar!







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