Rezension | Autumn Secrets | Sarah Fulmar
KLAPPENTEXT
Penelope ist Unternehmensberaterin und wird von ihrem ungeliebten Chef in eine Auszeit geschickt - zwangsweise genießt sie nun Herbstluft, Meerblick und Pumpkin-Spice-Vibes in St Ives. Dass sie ausgerechnet die legendäre Herbstwanderung organisieren soll, passt perfekt ... bis sie täglich mit Nathan, ihrem Crush aus Teeniezeiten, zu tun hat: dreizehn Jahre älter, stur wie ein Fels, Farmer durch und durch - und leider noch immer viel zu attraktiv. Sie kommen sich gefährlich nahe. Doch Penelopes Leben findet in London statt, während er fest in St Ives verwurzelt ist. Und eines will sie ganz sicher nicht: sich in eine Beziehung stürzen, in der sie alles für ihren Partner aufgeben müsste...
MEINUNG
»Autumn Secrets« ist der zweite Band der »Season by the Sea - Die St. Ives Reihe« und hat mich schon mit den ersten gelesenen Seiten in absolute Herbststimmung versetzt. Macht euch eine Tasse Tee, schnappt euch eine kuschelige Decke und los geht's. Cornwall, Herbstlaub, Kürbisse, Pumpkin Spice, Meer und natürlich jede Menge romantisches Chaos. Viel mehr Herbststimmung geht eigentlich nicht, oder?
Im Mittelpunkt stehen Penelope und Nathan. Penelope ist erfolgreiche Unternehmensberaterin in London, ehrgeizig, organisiert und ziemlich überzeugt davon, ihr Leben im Griff zu haben. Bis sie gezwungen ist, eine Auszeit zu nehmen und zurück nach St. Ives zu gehen. Und dort läuft sie ausgerechnet Nathan über den Weg, dem besten Freund ihres Bruders, Farmer, dreizehn Jahre älter und ziemlich grummelig. Blöd nur, dass Penelope schon seit ihrer Jugend für ihn schwärmt. Man könnte also sagen: Das romantische Chaos ist vorprogrammiert.
Bei den Tropes wird ordentlich aufgefahren, und vieles davon passt echt ziemlich gut zur Geschichte. Grumpy x Sunshine funktioniert mit den beiden meiner Meinung nach besonders gut. Nathan ist eher der Typ „Bitte nicht ansprechen, ich habe schlechte Laune“, während Penelope deutlich mehr Sonnenschein mitbringt. Hinter Nathans grummeliger Fassade steckt allerdings mehr, als man zunächst vermutet und gerade seine Vergangenheit erklärt einiges von seinem Verhalten. Dazu kommt der Age Gap von dreizehn Jahren, der tatsächlich eine Rolle spielt und nicht einfach nur als hübsches Detail eingebaut wurde.
Auch der Second-Chance-Aspekt beziehungsweise die alten Gefühle hat mir gut gefallen. Penelope kennt Nathan schon lange und hat ihn früher angehimmelt. Für ihn war sie damals allerdings vor allem die kleine Schwester seines besten Freundes. Jetzt begegnen sie sich als Erwachsene wieder und plötzlich ist die Situation eine ganz andere. Dazu kommt das typische Small-Town-Feeling (lieben wir!), bei dem gefühlt jeder jeden kennt und wahrscheinlich die halbe Ortschaft über das Liebesleben der anderen Bescheid weiß, bevor die Betroffenen selbst überhaupt wissen, was eigentlich los ist. Ich weiß nicht warum, aber besonders im Herbst, bzw. in einem "Herbstbuch" lese ich so unfassbar gerne Smalltown Geschichten.
Durch die gemeinsame Organisation der Herbstwanderung werden Penelope und Nathan außerdem immer wieder dazu gezwungen, Zeit miteinander zu verbringen. Forced Proximity lässt grüßeeen. Natürlich ist das besonders praktisch, wenn zwei Menschen eigentlich versuchen wollen, ihre Gefühle möglichst erfolgreich zu ignorieren. Das klappt erwartungsgemäß ungefähr so gut wie eine Diät neben einem Kuchenbuffet.
Die Liebesgeschichte selbst entwickelt sich eher langsam, was gut zum Slow-Burn-Trope passt. Die beiden müssen erst einmal ihre eigenen Vorstellungen, Ängste und Mauern überwinden, bevor sie wirklich zueinanderfinden. Besonders interessant fand ich dabei die Entwicklung von Penelope. Sie startet als sehr zielstrebige Frau, die glaubt, genau zu wissen, wie ihr Leben aussehen soll. Karriere, London, Unabhängigkeit, alles ist fein säuberlich geplant. Im Laufe der Geschichte beginnt sie allerdings zu hinterfragen, ob dieser perfekt durchorganisierte Lebensplan tatsächlich das ist, was sie glücklich macht. Dabei geht es nicht darum, dass sie für Nathan plötzlich ihr bisheriges Leben über Bord wirft, sondern vielmehr darum, herauszufinden, was sie selbst eigentlich möchte. Aber auch Nathan macht eine Entwicklung durch. Hinter seiner grummeligen Art steckt ein Mann, der emotional deutlich verletzlicher ist, als er zunächst wirkt. Er muss lernen, seine Vergangenheit nicht ständig zwischen sich und andere Menschen zu stellen und sich wieder auf Nähe einzulassen. Schön fand ich, dass nicht nur Penelope irgendwelche Veränderungen vornehmen muss, damit die Beziehung funktioniert. Beide müssen sich bewegen und ihre bisherigen Vorstellungen hinterfragen.
Das absolute Wohlfühl-Highlight ist für mich aber das Setting. Cornwall im Herbst wird so schön und atmosphärisch beschrieben, dass man beim Lesen beinahe selbst den Regen hört und den Tee riecht. Die Herbstwanderung, das Zelten, die Kürbisse und das ganze gemütliche Kleinstadtleben sorgen für genau die richtige Portion Cozy-Vibes. Der Schreibstil ist dabei locker und flüssig, sodass man sehr schnell durch die Geschichte kommt. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man außerdem einen guten Einblick in die Gedanken von Penelope und Nathan und versteht dadurch ihre Handlungen besser.
Ganz ohne Kritik komme ich allerdings nicht davon. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte ein bisschen zu viel auf einmal wollte. Einige Konflikte wirken dadurch etwas konstruiert und manche Entwicklungen hätten für meinen Geschmack mehr Raum gebraucht. Gerade gegen Ende ging mir manches etwas zu schnell. Nachdem sich vorher so viel darum dreht, wie unterschiedlich die Lebensentwürfe der beiden sind und wie sie diese miteinander vereinbaren können, lösen sich einige Probleme dann doch recht flott. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich die Geschichte etwas mehr Zeit für die entscheidenden Gespräche und Veränderungen nimmt. Auch emotional hätte an manchen Stellen noch ein bisschen mehr Tiefe nicht geschadet.
FAZIT
Für mich ist „Autumn Secrets“ deshalb vor allem ein Buch für einen verregneten Herbsttag, an dem man eigentlich nur kurz reinlesen möchte und plötzlich drei Stunden später feststellt, dass man die ganze Zeit gelesen hat.
Titel: Autumn Secrets
Autor*in: Sarah Fulmar
Herausgeber: Goldmann
Seiten: 320
Preis: 16,00€
4,5 von 5 Sterne
Danke für das Rezensionsexemplar!







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