Rezension | In Stormy Weather | Chelsea Curto
- canis-minor-art
- vor 11 Minuten
- 5 Min. Lesezeit
KLAPPENTEXT
Dr. Quincy Monroe ist die MINT-Queen der Meteorologie – unnahbar, brillant und unaufhaltsam. Doch als die heftigste Hurrikansaison Floridas zuschlägt, gerät sie ausgerechnet mit ihrem Erzfeind aneinander. Sebastian Dunn, Bruder ihrer besten Freundin, ein arroganter TV-Wetterstar und die einzige Person, die Quincy gefährlich werden kann. Verdammt zu einer riskanten Jagd im Auge des Sturms, liefern sich die beiden einen messerscharfen Schlagabtausch, bei dem die Funken heißer brennen als jeder Blitzschlag.
MEINUNG
»In Stormy Weather« war der erste Roman, den ich von Chelsea Curto gelesen habe und seit langem mal wieder ein in sich abgeschlossener Einzelband.
Die Geschichte hatte für mich viele Zutaten, die ich bei einer Romance wirklich gerne mag: ein naturwissenschaftliches Setting, zwei sympathische Protagonisten, wechselnde Perspektiven, ein bisschen Enemies-to-Lovers und in diesem Fall jede Menge Wetter. Und zwar nicht die Sorte „heute 23 Grad und vielleicht etwas Regen“, sondern Hurrikans, Tornados und andere Naturgewalten, bei denen man sich beim Lesen teilweise fragt, warum diese Menschen eigentlich freiwillig in Lebensgefahr laufen.
Besonders gut gefallen hat mir das wissenschaftliche Setting. Seit Ali Hazelwood bin ich großer Fan von Romance-Romanen, die in der Wissenschaft spielen, und Meteorologie fand ich, seit damals "Twister" rauskam, schon immer sehr spannend. Quincy ist eine echte Expertin auf ihrem Gebiet und man merkt, wie sehr sie für ihren Beruf brennt, aber auch, wie sehr sie sich als Frau in der Branche durchboxen muss. Auch Sebastian liebt seinen Job als Meteorologe, obwohl er zunehmend merkt, dass sein vermeintlicher Traumjob in New York ihn nicht mehr glücklich macht. Als er von einer Stelle beim National Weather Service erfährt, kreuzen sich seine und Quincys Wege wieder, denn natürlich hat sich ausgerechnet seine ewige Konkurrentin ebenfalls dort beworben. Was könnte romantischer sein als ein Bewerbungskampf mitten in der Hurrikansaison?
Überhaupt ist das Wetter fast schon ein eigener Charakter in der Geschichte. Hurrikans und Tornados spielen eine große Rolle und bilden gleichzeitig eine schöne Parallele zu den Gefühlen der beiden. Leider hätte ich mir gerade bei diesem Aspekt etwas mehr gewünscht. Quincy hat eine große Reichweite und erklärt ihrem Publikum Wetterphänomene auf verständliche Weise, aber wir bekommen davon erstaunlich wenig mit. Gerade als jemand aus Europa, für den Hurrikans und Tornados nicht gerade zum normalen Wetterbericht gehören, hätte ich gerne mehr darüber erfahren.
Ein Buch mit wechselnden Perspektiven (hier Quincy und Sebastian) mag ich immer besonders gern, weil man dadurch Einblicke in beide Figuren bekommt und ihre Gedanken und Gefühle besser nachvollziehen kann. Beide waren mir grundsätzlich sympathisch. Sebastian wirkt zunächst wie der typische Sunnyboy, aber es wird schnell klar, dass deutlich mehr hinter dieser Fassade steckt. Er ist nicht nur charmant und selbstbewusst, sondern hat auch eine echte Tiefe und nimmt seinen Beruf genauso ernst wie Quincy. Außerdem merkt man ziemlich schnell, dass er Quincy nicht einfach nur attraktiv findet, sondern sie als Wissenschaftlerin wirklich respektiert. Das fand ich schön, gerade weil ihre berufliche Konkurrenz eine wichtige Rolle spielt.
Quincy selbst fand ich einfach klasse, vor allem wegen ihrer Situation als Frau in der Wissenschaft. Das Buch thematisiert ziemlich deutlich, wie schwer Frauen es gerade in männerdominierten wissenschaftlichen Bereichen noch immer haben. Die Vorurteile, sexistischen Kommentare und Beschimpfungen, mit denen Quincy konfrontiert wird, waren teilweise wirklich heftig und haben mich bewegt. Gleichzeitig hatte ich bei diesem Thema manchmal das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu sehr auf die Bremse tritt und uns unbedingt noch einmal erklären möchte, wie schwierig es für Quincy ist. Gerade weil ihre tatsächlichen Erlebnisse schon für sich sprechen, wirkten manche Momente, in denen sie plötzlich darüber spricht, wie sehr sie unter dem ständigen Kampf leidet, auf mich etwas erzwungen. Besonders deutlich wird das beim Bewerbungsgespräch, bei dem Quincy tatsächlich ungerecht behandelt wird. Und wer rettet sie? Natürlich Sebastian, ihr Erzfeind, ewiger Konkurrent und gleichzeitig Mitbewerber. Eigentlich ein schöner Moment, aber bei mir kam seine „Rettungsaktion“ allerdings fast etwas übergriffiger an als das Vorstellungsgespräch selbst. Da hätte ich mir gewünscht, dass Quincy etwas mehr selbst die Kontrolle über die Situation behalten darf.
Auch beim Enemies-to-Lovers-Trope hatte ich etwas andere Erwartungen. Ich hatte mit deutlich mehr Feindseligkeit und vor allem mit mehr witzigen Schlagabtauschen gerechnet. Stattdessen werden die beiden relativ schnell kollegial miteinander. Das ist natürlich nicht schlimm, aber dadurch fehlte mir manchmal genau das, was ich an diesem Trope so gerne mag: dieses herrliche gegenseitige Aufziehen und die Frage, wann aus „Ich kann dich nicht ausstehen“ langsam „Verdammt, warum finde ich dich plötzlich attraktiv?“ wird. Die bissigen Dialoge gibt es vor allem am Anfang und ich hätte davon definitiv gerne mehr gehabt.
Die Liebesgeschichte selbst ist dafür angenehm langsam aufgebaut. Dass Quincy und Sebastian irgendwann zusammenkommen, ist nun wirklich keine große Überraschung, aber das war mir auch vorher klar und bei einer Romance erwarte ich ehrlich gesagt auch keine revolutionäre Wendung. Viel wichtiger ist, dass Quincys Gefühle für Sebastian glaubhaft entstehen. Sie taut nach und nach auf, lernt ihm zu vertrauen und merkt immer mehr, dass hinter ihrem Konkurrenten jemand steckt, den sie tatsächlich sehr mag. Das ging zum Glück nicht von heute auf morgen. Gleichzeitig merkt man bei Sebastian schon ziemlich früh, dass er eigentlich längst in Quincy verknallt ist.
So gern ich die Hurrikan-Szenen auch gelesen habe, musste ich mich leider mehr als einmal fragen: „Leute, ist das jetzt wirklich eine gute Idee?“ Gerade Quincy und Sebastian, die beide wissen, wie gefährlich ein Hurrikan der Kategorie 5 ist, fahren freiwillig mitten hinein. Natürlich braucht eine Geschichte irgendwo ihre dramatischen Momente, aber manche Entscheidungen waren für mich einfach schwer nachzuvollziehen. Wenn man zu Beginn eines Sturms bereits merkt, dass die Situation gefährlich ist, sollte man vielleicht nicht im Auge des Hurrikans denken: „Super, jetzt können wir noch ein bisschen weiter rausgehen.“
Als kleiner Sidekick Lover muss ich die Freundesgruppe um die beiden auch nochmal erwähnen. Sebastians Freundesgruppe sorgt immer wieder für humorvolle Momente und lockert die Geschichte angenehm auf. Quincys Freundinnen fand ich ebenfalls toll, weil sie Quincy unterstützen und gleichzeitig eigene Handlungsstränge mitbringen. Dadurch fühlte sich ihre Welt etwas größer an als nur die Liebesgeschichte zwischen den beiden.
Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und leicht zu lesen, weshalb sich das Buch sehr gut für zwischendurch eignet. Auch wenn es für mich nicht ganz an den Romance- und Romcom-Faktor von Ali Hazelwood herankommt, gab es durchaus witzige Dialoge und unterhaltsame Momente. Insgesamt hätte die Geschichte für meinen Geschmack allerdings noch etwas mehr Tiefe vertragen können, sowohl bei den Figuren als auch bei der wissenschaftlichen Thematik.
FAZIT
Insgesamt hat mich »In Stormy Weather« gut unterhalten, auch wenn ich nach der Lektüre vermutlich erstmal etwas genauer auf die Wetter-App schauen werde.
Titel: In Stormy Weather
Autor*in: Chelsea Curto
Herausgeber: dtv
Seiten: 464
Preis: 18,00€
4,5 von 5 Sterne
Danke für das Rezensionsexemplar!





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