Rezension | Die Nacht der Bärin | Kira Mohn
- canis-minor-art
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit
KLAPPENTEXT
Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
MEINUNG
»Die Nacht der Bärin« von Kira Mohn ist eine atmosphärisch dichte und eher ruhige Geschichte, die sich zwischen Naturerzählung, Mythos und psychologischem Drama bewegt.
Die Handlung spielt in einer abgelegenen, rauen Landschaft, deren Kälte, Dunkelheit und Einsamkeit wirklich sehr greifbar geschildert werden und die gesamte Stimmung des Buches prägen. Im Mittelpunkt steht Jule, die sich zu Beginn in einem Zustand innerer Zerrissenheit und emotionaler Distanz befindet. Geprägt von Einsamkeit und unverarbeiteten Erfahrungen wirkt sie zunächst passiv und von ihrer Umwelt entfremdet.
Im Verlauf der Geschichte durchläuft sie jedoch eine spürbare Entwicklung. Die Konfrontation mit der Natur und insbesondere mit der titelgebenden Bärin, zwingt sie, sich ihren verdrängten Ängsten und Instinkten zu stellen. Die Bärin fungiert dabei zunehmend als Spiegel ihrer inneren Welt: Je intensiver die äußere Bedrohung wird, desto stärker setzt sich die Protagonistin mit ihren eigenen Gefühlen auseinander. Aus anfänglicher Verdrängung entsteht allmählich ein Bewusstsein für ihre eigene Stärke und Verletzlichkeit. Sie beginnt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und entwickelt eine neue Form von Selbstvertrauen, die eng mit der Akzeptanz ihrer ursprünglichen, „wilden“ Anteile verbunden ist.
Die Geschichte läuft auf zwei verschiedenen Zeitebenen und das sorgt beim Leser dafür, dass man mehr mitdenkt und neugierig bleibt. Man setzt die Puzzleteile selbst zusammen, merkt Zusammenhänge oft erst später und wird dadurch stärker in die Handlung reingezogen. Gleichzeitig kann das Ganze auch ein bisschen verwirrend sein, aber genau das macht es spannend. Beide Erzählstränge fand ich super nachvollziehbar und richtig anschaulich geschrieben, was auch wichtig war, um die Zusammenhänge richtig zuzuordnen, aber ohne dass die Autorin dabei kitschig wird. ich war mehr als einmal sehr gerührt von den Thematiken und der Reaktionen von Jule.
Besonders überzeugend ist dabei die dichte Atmosphäre, die beim Lesen fast körperlich spürbar wird. Die detailreichen Naturbeschreibungen verstärken nicht nur die Stimmung, sondern begleiten auch die innere Entwicklung der Figur. Gleichzeitig schreitet die Handlung eher langsam voran, da der Fokus stark auf dieser psychologischen Transformation liegt. Diese ruhige Erzählweise kann als tiefgründig und literarisch anspruchsvoll empfunden werden, wirkt jedoch stellenweise auch etwas zäh. Zudem bleibt vieles bewusst offen oder mehrdeutig, was Interpretationsspielraum lässt.
Insgesamt war die Geschichte weniger ein klassischer Spannungsroman als vielmehr eine intensive Studie über Selbstfindung und innere Wandlung. Wer sich für atmosphärische Literatur interessiert, in der äußere Ereignisse und innere Entwicklung eng miteinander verwoben sind, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
FAZIT
Dafür, dass die komplette Geschichte nicht mal 300 Seiten hat, stecken so viele Emotionen, Entwicklungen auch auch überraschende Wendungen darin. Ganz klassisch Kira Mohn! ♥
Titel: Die Nacht der Bärin
Autor*in: Kira Mohn
Herausgeber: HarperCollins
Seiten: 288
Preis: 15,00€ (Taschenbuch) & 24,00€ Hardcover
4,5 von 5 Sterne
Danke für das Rezensionsexemplar!






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